Foto: Canva AI Studi | KI-generiertes Bild28.05.2026 ● Amelie Breitenhuber (dpa)
Humor und Haltung verhilft zu mehr Freude im Job
„Noch drei Tage bis zum Wochenende“, „Bald habe ich endlich Urlaub“: Das Arbeitsleben ist oft geprägt von Durchhalteparolen. Geht das nicht auch anders? Welche Rolle Spaß bei der Arbeit spielt und was wir selbst für mehr Freude im Berufsleben tun können.
Muss mein Job Spaß bringen?
Der Frage, ob Erwerbsarbeit Spaß und Freude machen muss, ist Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig, in seiner Forschung nachgegangen.
„Ich glaube, die Erwerbsarbeit muss nicht unbedingt Spaß machen“, sagt er. Für viele ist es aber durchaus erstrebenswert. In einer Studie mit einer repräsentativen Stichprobe an Erwerbstätigen stellten Zacher und sein Team die Frage: Wenn Sie sich für ein Arbeitsleben entscheiden müssten, welches würden Sie dann wählen? Zur Auswahl standen drei Optionen: das freudige Arbeitsleben, das sinnhafte Arbeitsleben oder das interessante, psychologisch-reichhaltige Arbeitsleben. Ungefähr die Hälfte gab an, dass sie sich das freudige, spaßige Arbeitsleben heraussuchen würde. Ein Viertel wollte lieber Sinnhaftigkeit bei der Arbeit erleben, also etwas Bedeutsames tun. Ein weiteres Viertel wollte, dass die eigene Arbeit psychologisch-reichhaltig ist, also interessant und abwechslungsreich ist und neue Perspektiven eröffnet.
Business-Coachin Astrid Kaiser zufolge ist mit entscheidend, wie Spaß definiert wird. „Da wir einen großen Teil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz verbringen, wäre es aber wertvoll, zu sagen: Ich möchte ein gutes Gefühl bei dem haben, was ich beruflich tue.“ Spaß müsse man nicht permanent empfinden, wichtig sei, etwas zu tun, das den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Kann ich bei jedem Job Spaß bei der Arbeit finden?
„Als Arbeitspsychologe würde ich sagen: Ja, das kann ein Ziel sein“, erklärt Zacher. Und zwar unabhängig davon, um welchen Job es geht oder was die genauen Aufgabeninhalte sind – vom Supermarkt bis zum Büro. Dafür gibt es verschiedene Stellschrauben. Zum einen könne der Arbeitgeber versuchen, die Arbeit so umzugestalten, dass wieder mehr Spaß entsteht. Etwa, indem er Austausch möglich macht und fördert oder Aufgaben mit den Interessen der Beschäftigten in Einklang bringt.

Was kann ich konkret tun, um mehr Spaß zu erleben?
Laut Zacher zählen vor allem Offenheit und „die Einstellung, dass Arbeit auch Spaß machen kann und darf“. Gibt es Momente, die ich mit Humor nehmen oder in denen ich Witze machen kann? Kann man den Spaß an einer Aufgabe selbst finden, indem man seine Einstellung zu ihr verändert? Beschäftigte können auch überlegen, ob sie bestimmte Tätigkeiten in einer anderen Reihenfolge oder mit jemandem zusammen erledigen können, den sie mögen. „Leute, die Spaßverderber oder sogar toxisch sind, sollte man hingegen bei der Arbeit eher vermeiden“, so Zacher.
Auch Coachin Astrid Kaiser betont die Bedeutung der inneren Haltung. Beschäftigte, die wieder mehr Freude im Job erleben wollen, können sich zum Beispiel morgens eine klare Absicht für den Tag setzen: „Ich starte heute mit Leichtigkeit in diesen Tag.“ Oder: „Alles, was ich tue, darf mir heute Freude bringen.“ Positive Gefühle, Spaß und Freude lassen sich der Coachin zufolge fördern, indem man den eigenen Arbeitsplatz – egal ob im Unternehmen oder zu Hause – schön gestaltet und sich so eine Atmosphäre schafft, in der man sich wohlfühlt.
Nicht zuletzt rät Kaiser, darauf zu achten, wie man seinen Arbeitstag strukturiert. „Es hilft zum Beispiel, sich morgens als Erstes eine Aufgabe vorzunehmen, die mir einfach entweder Spaß oder ein gutes Gefühl gibt.“ Das positive Gefühl, bereits etwas erledigt zu haben und Freude daran gehabt zu haben, wirke sich auf die Grundenergie für den anstehenden Tag aus.
Job ohne Spaß? Worauf alternativ fokussieren?
Arbeit kann sich nicht nur dann erfüllend anfühlen, wenn wir dabei Spaß und Freude haben. Auch Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit oder psychologische Reichhaltigkeit können ein erstrebenswertes Ziel sein. Wichtig: Es gibt immer Tage im Arbeitsleben, in denen man womöglich nichts davon empfindet.
Wann ist es Zeit für einen neuen Job?
Problematisch wird es Zacher zufolge dann, wenn keine der genannten Dimensionen im Beruf je erfüllt wird. „Dann ist das eigene Wohlbefinden im Job gefährdet, und man sollte sich vielleicht überlegen, ob man sich einen anderen Job oder eine andere Organisation sucht.“
Wenn man im Job keinen Spaß empfindet, sollte das einen Reflexionsprozess anstoßen, so Kaiser: „Warum bringt der Job keinen Spaß, und welche Konsequenzen kann ich daraus ziehen? Was würde mir stattdessen guttun?“ Aushalten sei immer die schlechteste Variante. „Das kostet einfach zu viel Kraft und Lebensfreude.“







