Foto: Canva | Handsome Bob13.03.2026 ● BZ-Extra Redaktion
Ingenieurarbeitsmarkt zwischen Krise und Mangel
Der Arbeitsmarkt in den Ingenieurberufen weist weiterhin Engpässe auf. Die wirtschaftlich schwierige Lage macht sich am Arbeitsmarkt bei Angebot und Nachfrage bemerkbar.
Der im Januar vom VDI (Verein Deutscher Ingenieure) und dem IW (Institut der Deutschen Wirtschaft) gemeinsam veröffentlichte Ingenieurmonitor für das dritte Quartal 2025 zeichnet ein durchwachsenes Bild für den Ingenieurarbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit bei den IT- und Ingenieurberufen stieg insgesamt um 17,6 Prozent. Während Branchen wie IT, Kunststoffproduktion und chemische Industrie deutlich von Stellenabbau betroffen sind, gibt es in der Metallverarbeitung einen leichten Zuwachs an offenen Stellen. Dennoch besteht ein Fachkräftemangel in vielen Branchen fort.
Anhaltende Krise trifft Ingenieurarbeitsmarkt
Die Gesamtzahl der offenen Stellen am IT- und Ingenieurarbeitsmarkt sank im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 99.470. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsfeldern: Während die Zahl der offenen Stellen in den Ingenieurberufen der Metallverarbeitung im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent angestiegen ist, verzeichnen die Informatikberufe einen Rückgang von 37,7 Prozent und die Ingenieurberufe in der Kunststoffherstellung und chemischen Industrie einen Rückgang um 25,1 Prozent.
„Dennoch ist in den kommenden Jahren durch Digitalisierung, Klimaschutz, demografischen Wandel sowie durch Investitionen in die Infrastruktur und weiterer Sondervermögen zu erwarten, dass der Bedarf an Beschäftigten in den Ingenieur- und Informatikberufen wieder zunehmen wird“, erklärt VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt.
Fachkräftemangel weiter Thema
Die Branche mit dem größten Engpass bei den Ingenieurberufen ist Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur. Sie löst damit die Ingenieurberufe Energie- und Elektrotechnik als gefragteste Berufsgruppe ab. Es zeichnet sich zudem ab, dass sich der Fachkräftemangel allgemein in den Ingenieurberufen trotz aktueller Konjunkturflaute in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.
„Dies ist einerseits bedingt durch den laufenden Renteneintritt der Babyboomer-Generation sowie andererseits durch sinkende Studienzahlen und nachlassende Technik- und Mathematikkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern“, so Stindt weiter. Die Anzahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften sank zwischen 2016 und 2023 um über elf Prozent. „Infrastrukturprogramme und insbesondere die High-Tech-Agenda der Bundesregierung brauchen Ingenieur- und IT-Expertise. Der drohende Fachkräftemangel in diesen Berufen gefährdet die Umsetzung und damit die Zukunft des Technologiestandorts Deutschland“, ergänzt VDI-Direktor Adrian Willig.

Erfolgreiche Integration ausländischer Fachkräfte
Ein zentraler Schlüssel, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, ist das Gewinnen ausländischer Studierender und Fachkräfte. „Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: wie attraktiv Deutschland im internationalen Vergleich ist, und wie gut Integration im Alltag gelingt. Mentoring-Programme für ausländische Fachkräfte helfen dabei. Gleichzeitig müssen bürokratische Hürden abgebaut werden“, erläutert Willig.
Nachwuchsförderung unerlässlich
Zudem fordert der VDI angesichts der Fachkräftelücke eine moderne und praxisorientierte Ingenieurausbildung sowie die gezielte Nachwuchsförderung im Bereich Technik ab Kita und Schule bis hin zu Weiterbildungen. Hierbei sollten besonders Mädchen und junge Frauen im Fokus stehen. Im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ hat der VDI dazu vergangenen Herbst ein Impulspapier zur Bildung und Qualifikation der Zukunft veröffentlicht, in dem 28 nationale und internationale Good-Practice-Beispiele vorgestellt werden.
„Durch insgesamt sinkende Studierendenzahlen in Ingenieurwissenschaften sowie durch die demografische Entwicklung wird die Engpasskennziffer am Ingenieurarbeitsmarkt künftig wieder steigen, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen zur Fachkräftesicherung ergriffen werden“, so Stindt. Sowohl die Förderung des inländischen Nachwuchses als auch die Verbesserung von Bedingungen für ausländische Fachkräfte seien dabei wichtig. Als wichtiger Beitrag werden die Pläne der Bundesregierung zur Einrichtung einer zentralen Work-and-Stay-Agentur begrüßt. „Damit die Work-and-Stay-Agentur erfolgreich wird, ist entscheidend, dass bestehendes, dezentrales Wissen über Einwanderung, Anerkennung von Qualifikation und Integration genutzt wird“, erläutert Stindt.










