Foto: Andreas Wendlandt20.03.2026 ● BZ-Extra Redaktion
Lernen und leben in einem Zuhause auf Zeit
Die Evangelische Jugendhilfe Freiburg-Zähringen (EJH) bietet ein breit gefächertes Angebot von Maßnahmen an. Das integrative Konzept aus Tagesgruppe und Schule hat sich bis heute bewährt.
Rund 110 Menschen arbeiten, verteilt über das gesamte Freiburger Stadtgebiet, für die Evangelische Jugendhilfe Freiburg-Zähringen. Als Schulsozialarbeiter oder in der Schulkindbetreuung begleiten sie Kinder und Jugendliche an insgesamt 12 verschiedenen Schulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium sind alle Schulformen vertreten.
Teil der EJH ist auch die Carl-Mez-Schule, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale-soziale Entwicklung. Das Gelände im Burgackerweg in Zähringen liegt direkt am Waldrand, zwei Gebäude rund um eine Grünfläche mit Bäumen und einem Sportplatz. Aktuell werden hier rund 70 Kinder und Jugendliche tagsüber betreut, ein Teil von ihnen lebt auch hier.
Die Schule ist breit aufgestellt und kann Schülerinnen und Schülern in den Bildungsgängen Grund-, Werkreal-, Real- und Förderschule bis zum Abschluss oder bis zur Rückschulung begleiten. Das in den 90er-Jahren gegründete und heute etablierte integrative Konzept aus Tagesgruppe und Schule bildet das Rückgrat für diese pädagogische Arbeit.
Wer morgens die Räume der Tagesgruppe Treffpunkt betritt, wird von entspannter Gitarrenmusik aus einem kleinen Lautsprecher begrüßt. Die ersten Jugendlichen sitzen schon am großen Tisch bei einer Tasse Kakao, unterhalten sich, bekommen ein Frühstück und fühlen sich hier wie zuhause.
Der Sozialarbeiter Matthias Heintz ist schon seit mehr als 25 Jahren bei der EJH beschäftigt. Dass er seinen Beruf gern und mit viele Engagement macht, spürt man sofort. „In unseren Teambesprechungen gehen wir sehr systematisch vor, aber die Gespräche zwischen Tür und Angel sind ein besonders wichtiger Teil unserer Arbeit. Denn genau hier sind wir Vorbilder im Umgang miteinander, und das überträgt sich dann auch auf die jungen Menschen und deren Alltag“, so beschreibt Heintz seinen Job. Zusammen mit dem Sozialarbeiter Constantin Franke und den Lehrkräften Annika Schaetzle und Phillip Weber bildet er ein Betreuungsteam für eine der bis zu achtköpfigen Gruppen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück werden die Schülerinnen und Schüler direkt in ihrem Klassenzimmer unterrichtet, das Teil der Räumlichkeiten der Tagesgruppe ist. „Die große Chance sind die passgenaueren Angebote, die wir hier im Gegensatz zum klassischen Schulsystem machen können. Wir haben so die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der jungen Menschen viel besser einzugehen“, sagt Lehrer Philipp Weber. Seine Kollegin Annika Schaetzle ergänzt: „Wir sind in unserer Tagesplanung sehr flexibel. Vieles passiert in der Gruppe ganz spontan, und darauf reagieren wir dann. Die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, sich inhaltlich zu öffnen, steigt deshalb auch stark an. Für mich war das auch die Motivation, bei der EJH anzufangen und mich hier zu engagieren. So nah an den Schülerinnen und Schülern dran zu sein, das ist schon etwas Besonderes.“
Was auf den ersten Blick auffällt: Die kleine Klassengröße von maximal acht Schülern macht eine direkte Unterstützung der Einzelnen durch die Lehrkräfte auch wirklich möglich. In der Carl-Mez-Schule steht dabei nicht nur das schulfachliche Wissen, sondern vor allem auch die Vermittlung von sozialen Kompetenzen im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Entwicklung der jungen Menschen zu einer eigenständigen, selbstverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu unterstützen.

Während der Unterrichtszeit kümmern sich die beiden Sozialarbeiter Matthias Heintz und sein Kollege Constantin Franke um organisatorische Dinge. Auf ihrem Programm stehen zum Beispiel Gespräche mit den Eltern oder der Kontakt zum Jugendamt. Aber auch die Vorbereitungen für das tägliche Mittagessen gehören dazu. Hier übernehmen auch die Jugendlichen einzelne Aufgaben und unterstützen die Sozialarbeiter. Constantin Franke erklärt im Gespräch: „Ich freue mich immer, wenn Ziele, die man sich mit den Kindern gemeinsam gesetzt hat, erfüllt werden. Das können ganz kleine Dinge sein, die am Ende des Tages dann für Zufriedenheit bei den Jungs und bei uns sorgen.“
Die Kombination aus Lernen in der Schule und der persönlichen Betreuung in der Freizeit macht auch die Arbeit der anderen Tagesgruppen auf dem weitläufigen Gelände aus. Alle Gruppen sind frei in der Ausgestaltung der Abläufe, und genau diese Freiheit ist es auch, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Jugendhilfe sehr zu schätzen wissen.
Zurück zur Tagesgruppe: Das Mittagessen ist inzwischen fertig und die jungen Menschen sitzen gemeinsam mit dem Betreuungsteam am Tisch. Der leckere Auflauf und ein frischer Salat kommen bei allen gut an. Das gemeinsame Kochen und Essen gehören zum Lernprozess dazu – genauso wie das Abwaschen danach.
Bevor es mit dem Nachmittagsprogramm weitergeht, bleibt noch Zeit, nach draußen zu gehen. Der Sportplatz wird von den Jugendlichen gerne fürs Fußballspielen genutzt. Bewegung gibt’s aber auch beim Nachmittagsprogramm. An diesem Tag fahren die Jungs in zwei kleinen Bussen zusammen mit den Pädagogen zur Bowlingbahn. Hier lernen die Teilnehmer das, was ihnen im Alltag weiterhilft: Gemeinschaftsgefühl, Konzentration, Freude und Wertschätzung.
Nach einem erlebnisreichen Tag geht es für die Jugendlichen nach Hause. Am nächsten Morgen erwartet sie in der Tagesgruppe wieder entspannte Gitarrenmusik und ein warmer Kakao.




