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Kollege stellt KI-Projekt im Team in einem Meeting vorFoto: Canva | Blvckshot

05.06.2026 ● Anke Dankers (dpa)

Nimmt mir KI den Job – oder macht sie ihn leichter?

Künstliche Intelligenz verändert das Arbeiten. Wie Sie mit ein wenig Mut und neuen Fähigkeiten aus dem Technik-Trend einen Karriere-Booster machen – und was KI niemals ersetzen kann.

Sie arbeitet schnell, effizient und kostengünstig: „Künstliche Intelligenz“ klingt nach dem besten Pferd im Stall, der perfekten Lösung zum besten Preis, dem idealen Mitarbeitenden. Aber ist sie das auch? Ist KI wirklich knallharte Konkurrenz oder vielleicht doch nur eine Unterstützung? Und wo genau liegt das Potenzial, und wie können Arbeitnehmer es für sich im Alltag bereits nutzen?

Matthias Peissner, Leiter des Forschungsbereichs Mensch-Technik-Interaktion am Fraunhofer-Institut, und Melanie Arntz, Vizedirektorin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), geben Antworten.

Was ist überhaupt KI und was kann sie?

Wenn von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, sind Systeme gemeint, die viel mehr können, als Routinen zu automatisieren. „Wir reden hier von einer Technologie, die beispielsweise in großen Datenmengen Muster erkennen, Vorhersagen generieren oder Entscheidungsunterstützungen ableiten kann“, sagt Peissner.

Kurzum: KI leistet etwas, das der Mensch nicht kann: Sie greift gleichzeitig auf unzählige Datensätze zu. Den Menschen braucht es aber trotzdem noch. „Anders als bei Technologien der Vergangenheit liegt der Fokus viel stärker auf dem Zusammenspiel mit dem Menschen“, so Arntz.

Professioneller dank KI-Booster

Etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer nutzen laut einer IAB-Erhebung schon heute KI im Arbeitsalltag. Häufig, ohne dass die Systeme formal vom Arbeitgeber eingeführt wurden. „Die Arbeitnehmer machen das zum Teil selbst motiviert, weil sie sehen, dass es Vorteile haben kann, KI-unterstützt zu arbeiten“, erzählt Arntz. Künstliche Intelligenz – an den richtigen Stellen eingesetzt – kann die Produktivität steigern. „Zum Beispiel kann sie Menschen mit wenig Berufserfahrung dahingehend unterstützen, dass sie ihre Tätigkeit ähnlich gut wie Berufserfahrene ausführen können“, so Arntz.

Kollege KI übt Druck aus

Starke Auswirkungen hat die Technologie auf Tätigkeiten, die mit Daten zu tun haben, sagt Peissner. Auch im Verfassen von Texten, Recherchieren, Rechnen, Planen und Entscheiden sind KI-Systeme stark. Der Veränderungsdruck sei besonders bei höherqualifizierten Berufsgruppen stark angestiegen, erklärt Arntz. Das ist aber nicht mit dem Risiko von Jobverlusten gleichzusetzen. „Es bedeutet, dass diese Berufsgruppen sich stärker darauf einstellen müssen, dass sich ihre Arbeitsweise mit der Technologie verändert“, so die Expertin.

Lächelnde Frau die am Laptop arbeitet
Viele Menschen nutzen schon heute selbst motiviert KI im Arbeitsalltag. Foro: Canva | Karola G von Pexels

Hurra, Entlastung!

Wie positiv das sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Medizin. „Anders als der Arzt kann die künstliche Intelligenz jederzeit auf das gesammelte Wissen der aktuellen Forschung zugreifen“, sagt Peissner. Also Daten oder Studien suchen und bei der Forschung unterstützen, das kann KI. „Für die individuelle Betreuung der Patienten ist natürlich weiterhin der medizinische Experte als Mensch gefordert“, so der Wissenschaftler. Idealerweise ist dafür dann dank KI hoffentlich mehr Zeit.

Auch in vielen anderen Bereichen können die Systeme Entlastung schaffen. „Denken wir etwa an Programmierer, hier kann die KI standardisierte Prozesse inzwischen schon gut allein bewerkstelligen“, so Arntz. So bleibe mehr Zeit, um sich mit komplexeren IT-Prozessen zu beschäftigen.

Apropos Gestaltung: Auch kreative Tätigkeiten wie beispielsweise Tätigkeiten im Bereich Grafikdesign verändern sich voraussichtlich stark, so Peissner. Möglicherweise gehen dadurch klassische Aufträge verloren. Gefordert sind umso mehr: persönlicher Geschmack, ein Gespür für Trends und die Fähigkeit zur strategischen Beratung.

Das kann KI nicht

Was die KI nicht übernehmen kann, ist Verantwortung. „Dazu braucht es viel Fachwissen. Ich muss die Entscheidungsvorgabe der KI beurteilen können“, so Arntz. Dieses Wissen in Kombination mit (ethischem) Urteilsvermögen und kommunikativen Fähigkeiten werde auch in der Zukunft eine wichtige Basis der Arbeit sein.

Die Beurteilung der KI und die Fähigkeit, einzuschätzen, wo man sie gewinnbringend einsetzen kann, setzt einen guten Überblick voraus sowie die Fähigkeit, vernetzt zu denken. Statt des Ausführens der eigentlichen Tätigkeit verschiebt sich die Kompetenz der Mitarbeiter künftig eher in Richtung Instruieren und Überwachen, erklärt Experte Peissner.

KI-Kompetenz wird zum Türöffner

Was könnten Arbeitnehmer also tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Ganz klar: Die Scheu vor der neuen Technologie ablegen, so Arntz. „KI-Kompetenzen zu haben, ist etwas, das einem in nächster Zeit sicher Türen öffnen wird“, sagt sie. Denn: Erst wer sich mit den Chancen und den Möglichkeiten der Technologie beschäftigt, wird mit Kollege KI zum eingespielten Team.

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