Foto: Canva | Yan Krukau von Pexels20.08.2026 ● Sabine Meuter (dpa)
Toxische Tricks im Büro erkennen und stoppen
Gezielte Manipulation, wie unterschwellige Drohungen oder emotionale Tricks, bleibt im Job oftmals unbemerkt. Wer Warnsignale und Gegen-Strategien kennt, kann sich schützen.
Jede und jeder von uns tut es: manipulieren. Häufig sind wir uns dessen nicht bewusst. Wir schmeicheln ein wenig, wenn wir etwas erreichen wollen, oder wir lächeln, obwohl wir genervt sind, um die Stimmung zu halten. „Das alles ist normal und durch soziales Verhalten erlernt“, sagt Diplom-Psychologin Monika Matschnig.
Wenn Manipulation im Job gezielt eingesetzt wird
Im Berufsleben kann Manipulation auch sehr gezielt eingesetzt werden. Laut Matschnig geht es um das verdeckte Lenken von Menschen: ohne Offenheit und ohne dass die Betroffenen wahrnehmen, dass jemand Einfluss auf ihr Denken und Handeln nimmt. Solche Manipulationen sind alles andere als normal.
Dabei fühlt sich das oft nicht wie ein direkter Angriff an. „Aber wenn wir uns nach einem Gespräch intuitiv unfair behandelt oder uns zu einem bestimmten Handeln gezwungen fühlen, deutet dies meistens auf eine Manipulation hin“, sagt Thomas Wilhelm, Professor für Interkulturelles Coaching, Beratung und Leadership an der Internationalen Hochschule SDI München.
Typische Formen von Manipulation
Emotionale Manipulation zielt darauf ab, Gefühle zu beeinflussen, damit jemand etwas Bestimmtes tut. Ein Beispiel: Eine Führungskraft weckt ein schlechtes Gewissen bei einem Beschäftigten, um ihn trotz seines Neins dazu zu bringen, Mehrarbeit zu leisten. Die Führungskraft untermauert das mit den Worten: „Nach allem, was ich für dich getan habe, könntest du doch …“.
Informationsmanipulation bedeutet, dass ein Teammitglied oder eine Führungskraft den Informationsfluss steuert, um andere zu beeinflussen. „Zum Beispiel werden Informationen vor einem Meeting nur selektiv verbreitet, damit bestimmte Personen unvorbereitet sind und damit schlecht aussehen“, so Wilhelm. Oder: „Wichtige Fakten kommen zu spät“, laut Matschnig eine typische Situation. Oder sie kommen gar nicht: Entscheidungen sollen getroffen werden, ohne das ganze Bild zu kennen.
Beim sogenannten Gaslighting wird die Wahrnehmung einer Person infrage gestellt. Klassische Aussagen sind laut Matschnig etwa „So habe ich das nie gesagt“ oder „Das bildest du dir ein“. Das hat zur Folge, dass Opfer irgendwann nicht am anderen, sondern an sich selbst zweifeln.
Wie Manipulation wirkt – und wie wir sie erkennen
Aber warum lassen wir uns eigentlich so beeinflussen? Menschen möchten grundsätzlich beliebt sein, Anerkennung bekommen und dazugehören. Genau dort setzt Manipulation an, sagt Wilhelm. Die Person, die andere manipuliert, „nutzt grundlegende Mechanismen aus“. Manipulation erzeugt Unsicherheit, Zugehörigkeitsdruck oder den Entzug von Anerkennung. In solchen Momenten rückt Anpassung vor das überlegte Denken. Betroffene fühlen sich häufig „klein, schuldig oder durcheinander, ohne klaren Grund“, sagt Monika Matschnig.
Diese Folgen kann Manipulation im Job haben
Der Körper merkt es oft früher als der Kopf. Es können Symptome wie Verspannungen, Blutdruck oder schlechter Schlaf auftreten. Oft leidet auch die psychische Gesundheit, wenn man im Beruf über lange Zeit manipuliert wird. Aufgrund der emotionalen Belastung könne es auch zu einem Burn-out-Syndrom oder Depressionen kommen, erklärt Wilhelm. Auch das Selbstwertgefühl kann leiden.
Halten Verunsicherung, Angst oder Stress an, besteht zudem das Risiko, dass die eigene Motivation sinkt. Unter Umständen können sich Betroffene schlecht konzentrieren und machen dadurch vermehrt Fehler. „Gezielte Manipulation trägt oft zu einem toxischen Arbeitsklima bei, die Arbeitsmoral sinkt“, so Wilhelm.
Tipps gegen Manipulation
Wer verhindern will, dass manipulatives Verhalten negative Folgen für die eigene Karriere hat, sollte handeln.
- Nicht gemachte Fehler emotionslos zurückweisen: „Möchte ein Manipulator einen Fehler in die Schuhe schieben, dann bei den Fakten bleiben und sachlich die Verantwortung zurückweisen“, rät Wilhelm.
- Zur eigenen Perspektive stehen: „Wird die eigene Wahrnehmung infrage gestellt, dann sollten Betroffene sie bewusst reflektieren“, sagt Matschnig. Oft reiche es aus, zu beschreiben, wie man die Situation erlebt. Und im Weiteren steht man zu der eigenen Perspektive. „Das schafft innere Stabilität und ist Selbstachtung.“
- Manipulation benennen: „Wer glaubt, im Job eine Manipulation zu erleben, sollte den Vorfall konkret benennen“, so Thomas Wilhelm. Beispiel: Die Führungskraft sagt: „Wenn du das Projekt nicht übernimmst, geht hier alles den Bach runter.“ Eine Reaktion könnte etwa so aussehen: „Du versuchst, mich gerade massiv unter Druck zu setzen.“ Das entziehe dem Manipulator die Wirkung seiner Taktik.
- Notizen machen: Behauptet eine manipulierende Person später: „Das habe ich nie gesagt“ oder „Du bildest dir das ein“, kann es laut Wilhelm helfen, eigene Notizen zu haben, die die Erinnerung stützen. Sein Rat: Nach wichtigen Gesprächen immer kurz festhalten, was besprochen wurde.




