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Frau arbeitet nachts und ist erschöpftFoto: Canva | bymuratdeniz

29.09.2026 ● Maximilian Konrad (dpa)

Warnsignale einer Arbeitssucht rechtzeitig erkennen

Weiterarbeiten, wenn alle anderen längst zu Hause sind. Vom schlechten Gewissen geplagt, wenn man sich freinimmt. Wie sich eine Arbeitssucht andeutet – und was dann hilft. Wenn die Arbeit auch nach Feierabend, im Urlaub oder trotz Krankheit den Alltag bestimmt, stellt sich die Frage: Wann wird aus engagiertem Arbeiten Arbeitssucht? Fragen und Antworten.

Was ist Arbeitssucht genau?

„Suchthaftes Arbeiten bezeichnet das gemeinsame Auftreten exzessiven und zwanghaften Arbeitens. Die Betroffenen arbeiten nicht nur sehr lange und intensiv, sondern haben auch das dauerhafte Bedürfnis zu arbeiten, können in der Freizeit nicht entspannen und haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich freinehmen“, erklärt das Bundesinstitut für Berufsbildung. Das Institut hat 2023 mit der Technischen Universität Braunschweig eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zum Thema „Suchthaftes Arbeiten“ veröffentlicht. Demnach arbeitet rund ein Zehntel der Erwerbstätigen in Deutschland suchthaft. Grundlage waren Daten von 8000 Erwerbstätigen.

Ist jede Phase mit langen Arbeitszeiten problematisch?

Nein. Menschen, die zeitweise sehr lange arbeiten – etwa während eines wichtigen Projekts oder in einer beruflichen Ausnahmesituation – sind nicht automatisch arbeitssüchtig. „Entscheidend ist vielmehr, wie, warum und mit welchen Folgen jemand arbeitet“, sagt Stefan Poppelreuter, Leiter Analysen & Befragungen HR Consulting beim TÜV Rheinland in Bonn, der zum Thema „Workaholics“ promoviert hat.

Wie viel Arbeit ist „zu viel“?

„Arbeit ist spätestens dann zu viel, wenn sie nicht mehr frei gestaltet wird, sondern das Leben beherrscht und trotz erkennbarer Schäden fortgesetzt werden muss“, sagt Poppelreuter. Eine Grenze sieht er auch dann überschritten, wenn Menschen Umfang und Dauer der Arbeit nicht mehr selbst steuern können und sich subjektiv außerstande sehen, die Tätigkeit zu unterbrechen. Kritisch sei außerdem, wenn immer mehr gearbeitet werden müsse, um Anerkennung, Befriedigung, Sicherheit oder das Gefühl eigener Bedeutsamkeit zu erlangen.

Können Betroffene nicht arbeiten, treten Poppelreuter zufolge unter Umständen Unruhe, Schuldgefühle, Gereiztheit, Angst oder sogar körperliche Entzugserscheinungen auf.

Eine Frau sitzt am Tisch und legt den Kopf auf ihre Unterlagen
Exzessiv, zwanghaft und oft ohne Pause: Suchthaftes Arbeiten kann auf Dauer ernsthafte Folgen haben. Foto: Canva | Karola G von Pexels

Wie kann Arbeitssucht entstehen?

Bei der Entstehung der Arbeitssucht gilt es laut Poppelreuter mehrere Ebenen zu berücksichtigen. Auf individueller Ebene spielen häufig ein stark leistungsabhängiges Selbstwertgefühl, Perfektionismus, ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis und Schwierigkeiten im Umgang mit Fehlern oder Misserfolgen eine Rolle. Aber auch berufliche Bedingungen können arbeitssüchtiges Verhalten fördern. Etwa, wenn ständige Verfügbarkeit, überlange Arbeitszeiten und die Aufopferung für das Unternehmen mit Anerkennung, Karrierechancen oder finanziellen Vorteilen belohnt werden. Hinzu komme ein gesellschaftliches Arbeitsethos, das exzessives Arbeiten häufig als besondere Leistungsbereitschaft oder sogar als Auszeichnung bewerte.

Auf welche Warnsignale sollte man achten?

Nach Einschätzung von Poppelreuter gibt es eindeutige Warnsignale für Arbeitssucht. Vorsicht ist demnach dann geboten, wenn Erholung, Schlaf, körperliche Bedürfnisse, soziale Beziehungen und die eigene Gesundheit dauerhaft der Arbeit untergeordnet werden.

Weitere Warnzeichen können sein: Gedanken und Gespräche drehen sich zunehmend ausschließlich um die Arbeit, andere Lebensbereiche verlieren an Bedeutung. Pausen und Erholungszeiten werden regelmäßig ausgelassen. Trotz Krankheit wird gearbeitet oder selbst im Urlaub bleibt die betroffene Person ständig beruflich erreichbar. Aufgaben werden nicht delegiert, weil andere sie angeblich nicht gut genug erledigen.

Was kann man selbst tun – und wo gibt es Hilfe?

Vorbeugend kann eine ehrliche Beobachtung des eigenen Zeitverbrauchs hilfreich sein. Verbindliche Erholungszeiten, Hobbys und die Bereitschaft, insbesondere im beruflichen Umfeld Aufgaben und Verantwortung abzugeben, können ebenfalls unterstützen.

Bei deutlichen Warnzeichen sollten Betroffene aber nicht erst warten, bis die Belastung weiter zunimmt. Poppenreuter rät, frühzeitig professionelle Beratung oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, „wenn Kontrollverlust, gesundheitliche Beschwerden oder deutliche zwischenmenschliche Konflikte auftreten“.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Betroffenen helfen können. Hilfe gibt es zum Beispiel bei speziellen Beratungsstellen, in psychotherapeutischen Praxen und bei Selbsthilfegruppen. Die „Anonymen Arbeitssüchtigen“ informieren unter „www.arbeitssucht.de“ über Anlaufstellen und Literatur zum Thema.

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