Foto: Canva | МОБО Модульные Котельные25.09.2026 ● Herbert Frey
Arbeiten mit Metall, Technik und Kreativität - Die Ausbildung als Klempner
Schon in der Schule entdeckten Simeon Dietrich (20) und Alessio Frey (18) ihr Interesse für handwerkliches Arbeiten mit Metall.
Daraus entwickelte sich der Wunsch, Klempner zu werden.
Ein Praktikum hat beide für eine Ausbildung überzeugt
Beide absolvierten Praktika und Ferienjobs bei der Rathberger GmbH. Das Unternehmen ist eines der innovativsten im Bereich Metallfassaden sowie Metalldächer und betreibt auf einem 4500 Quadratmeter großen Firmencampus in Efringen-Kirchen eines der modernsten Blechbearbeitungszentren der Region.
Nach dem Hineinschnuppern war für beide dann klar: Eine Ausbildung zum Klempner ist das Richtige für sie.
Metallbleche aller Art passgenau zuzuschneiden, zu stanzen, falzen und löten, sie dann als Dach- oder Fassadenverkleidungen, als Wasserableitungssysteme, Rohre oder Rinnen an Gebäuden zu montieren, instand zu halten und zu reparieren – das ist das Metier eines Klempners. Neues, wie etwa das Montieren von Photovoltaikmodulen an Fassaden, kommt hinzu. Installationen im Sanitärbereich gehören dagegen nicht mehr zum Berufsbild.
Die ersten Lehrjahre und Prüfung
Mit Hauptschulabschluss, Mittlerer Reife oder Abitur könne man die Ausbildung in Angriff nehmen, die dreieinhalb Jahre dauere, erzählen Dietrich und Frey. Mit guten Leistungen im Theorieunterricht lasse sich die Lehrzeit verkürzen. Praktische und fachtheoretische Ausbildung erfolgen blockweise, wobei die Firma Rathberger ihre Azubis für je drei bis vier Wochen nach Ulm auf die Klempnerfachschule schickt.
„Nach dem zweiten Lehrjahr wird eine Zwischenprüfung abgelegt, die klassische Gesellenprüfung beendet die Ausbildung dann“, erzählt Dietrich, der den Gesellenbrief seit Juli in der Tasche hat. Zuvor wird auch ein Gesellenstück angefertigt, wobei man die genaue Aufgabe erst am Tag der Prüfung erfährt – in seinem Fall ist es ein Dachmodell mit Kamineinfassung gewesen.
Frey begann im September sein zweites Lehrjahr. Schon im ersten hat er erfahren, dass das Klempnerhandwerk ein noch breiteres Spektrum abdeckt als gedacht und etwa auch das ArbeitenmitMetallschindeln umfasst.
„Im ersten Lehrjahr bin ich viel mit dem Werkstattmeister unterwegs gewesen, der die Grundlagen vermittelt hat. Man lernt, wie die hochpräzisen, computergesteuerten Schneide-, Stanz-, Biege-, Loch- und Kantmaschinen funktionieren, wie die Arbeitsbereiche ineinandergreifen“, erzählt Frey. Und auch das Schreiben einfacher Programme ist schonmöglich. Im zweiten Lehrjahr wird es komplexer, man geht noch mehr raus auf die Baustellen, berichtet Dietrich. „Im dritten wird man dann voll eingebunden, soll selbst überlegen und eigene Lösungsvorschläge einbringen“, ergänzt der frischgebackene Geselle.
Das Arbeiten unter freiem Himmel bei Wind und Wetter könne auch mal herausfordernd sein, so Dietrich. Andererseits sieht er darin auch einen Pluspunkt des Berufs: „Das härtet ab.“ Die Zeiten, in denen man im Hochsommer auch bei sengender Mittagshitze auf dem Dach stand, seien aber vorbei, betont Ausbilder Torsten Gassner. Man verlagere die Arbeit dann in die frühen Morgenstunden oder in die Werkhallen.

Das sollte man als Klempner mitbringen
Allzu wetterfühlig sollte man als Klempner oder Klempnerin trotzdem nicht sein, schwindelfrei dagegen unbedingt, meinen die beiden Berufseinsteiger. Hilfreich sind auch ein handwerkliches Grundverständnis, ein „Händchen“ für Metall, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und das sichere Beherrschen der Grundrechenarten.
Beide Jung-Blechner können bereits von echten Berufshighlights berichten: etwa von ungewöhnlichen Objekten wie dem Vitra-Haus oder dem Kuppeldach einer Kirche, auf denen sie arbeiten durften. Der Klempnerberuf ist nämlich ein kreativer, denn Metallfassaden und -dächer sind längst auch individuelle, markante architektonische Gestaltungselemente. Metall lässt sich in beinahe jede Form bringen, und auch bei Farbgebung sowie Oberflächenbeschaffenheit gibt es laut der Jungklempner und ihrem Ausbilder kaum Grenzen – auch in puncto Robustheit und Langlebigkeit.
Natürlich eigne sich das Klempnerhandwerk auch bestens für junge Frauen. „Leider hat es sich bei den Mädels noch nicht so herumgesprochen, welch schöner Beruf das ist“, bedauert Ausbilder Gassner. Dank technischer Hilfsmittel müsse heutzutage auf Baustellen niemand mehr schwer schleppen. Auch die Sicherheitwerde großgeschrieben, ergänzt Dietrich. Vor jedem Einsatz gebe es eine Gefahrenbeurteilung. Sei kein Gerüst vorhanden, komme die persönliche Sicherheitsausrüstung zum Einsatz.
Gute Perspektiven für die Zukunft
Und wie sind die Zukunftsaussichten? Dietrich will nun erst einmal Berufserfahrung in seinem Ausbildungsbetrieb sammeln. Den Meister zumachen, sei später durchaus eine Option, auch weitere Zusatzausbildungen und Weiterqualifizierungen bis hin zum Ingenieurstudium ließen sich an die Lehre „dranhängen“.
Für Torsten Gassner, der sich vom Gesellen über den Vorarbeiter und Bauleiter bis zum Meister weiterentwickelte, steht fest: Die handwerkliche Erfahrung und das geschulte Auge eines Klempners lassen sich durch Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz nie ersetzen. Digitale Technik und Robotik werden zwar eingesetzt, etwa um Datentransfer und Arbeitsabläufe zu optimieren, aber: „Der Roboter geht nicht auf die Baustelle.“












