Wenn der Kollege krank ins Büro kommt - wie kann ich meinen Unmut äußern?
Im Büro wird wieder gerotzt, geschnieft und gehustet. Irgendwas zwischen eindrucksvollem Arbeitsethos und nervtötender Rücksichtslosigkeit - und viele fragen sich: Wie erkläre ich meinem Kollegen freundlich, dass er lieber zu Hause schniefen soll, ohne ihn zu verletzen? Die Trainerin für Wirkungskompetenz und Empathie, Imme Vogelsang, weiß Rat.
BZ: Frau Vogelsang, ich will meinen Kollegen nicht vor den Kopf stoßen, aber ich fände es gut, wenn er nicht krank zur Arbeit kommt. Was kann ich tun?
Vogelsang: Erst einmal Mitgefühl zeigen. Man könnte zum Beispiel sagen: "Mensch, du hustest aber viel heute. Bist du erkältet? Das tut mir leid." Und dann sachte mit der berechtigten Kritik kommen: "Vielleicht solltest du lieber zu Hause bleiben, damit du nicht alle ansteckst." Das kann man übrigens auch seinem Chef sagen. Niemand sollte andere in Gefahr bringen. Wenn derjenige aus Pflichtgefühl gekommen ist, kann das ja auch erleichternd sein. Manchmal hilft auch Humor. Wichtig ist jedenfalls: nett und empathisch bleiben, nicht bevormundend sein.
BZ: Manchmal führen ja auch Allergien oder chronischer Husten zu erkältungsähnlichen Symptomen - kann man da überhaupt etwas machen?
Vogelsang: Von Frühjahr bis Herbst kann hinter Husten und Schniefen tatsächlich auch eine Allergie stecken. Aber auch hier ist es angebracht, Mitgefühl zu zeigen. Ein vorsichtiges "Oh je, du hustest aber viel" gibt dem Betroffenen die Chance, klarzustellen, dass er an einer Allergie leidet. So kann man beruhigt weiterarbeiten und muss keine Ansteckung fürchten. Aber auch bei einer Allergie muss man sich kollegial verhalten. Hustet jemand etwa immer in den offenen Raum, kann man ihn vorsichtig darauf hinweisen, dass er sich die Hand vor den Mund halten oder in die Armbeuge husten sollte. Sie könnten auch ansprechen, dass es inzwischen ja wirksame Medikamente gegen Allergien gibt, die nicht mehr so müde machen. Dafür ist derjenige vielleicht sogar dankbar.
Durch kranke Kollegen am Arbeitsplatz kann die Stimmung schnell kippen. Foto: Canva | Elnur
BZ: Ist es eigentlich empathisch, jedes Niesen mit "Gesundheit" zu kommentieren?
Vogelsang: Das ist tatsächlich keine einfache Frage. Es gibt ja die Regel: Körpergeräusche werden grundsätzlich nicht kommentiert. "Gesundheit" zu sagen, ist allerdings sehr verbreitet und immer nett gemeint. Es könnte daher unfreundlich erscheinen, es nicht zu sagen.
Ich würde es deshalb so handhaben: Sagen Sie "Gesundheit" oder "Ich weiß, man sagt es eigentlich nicht, aber ich wünsche Ihnen trotzdem Gesundheit", wenn Sie in einer 1:1-Situation sind. Im Großraumbüro wäre ich damit aber zurückhaltend.
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