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Junge Frau kümmert sich um ältere Frau im RollstuhlFoto: Canva | halfpoint

19.06.2026 Regina Keller

Ein junger Pflegedienst in Teningen geht neue Wege

Mit dem Motto „Wir wollen etwas verändern!“ machten sich zwei junge Pflegekräfte daran, eigene Wege zu gehen. Daraus ist der erfolgreicher Pflegedienst Kelex in Teningen entstanden.

Die beiden Geschäftsführer Kevin Schott (36) und Alexander Erhardt (35) waren zuvor in Pflegediensten in Freiburg und Breisach tätig. Dort machten sie nicht nur gute Erfahrungen: Es gab Frust über eingefahrene Strukturen, fehlende Offenheit für neue Ideen und wenig Bereitschaft zur Veränderung. Für beide stand irgendwann fest, dass sie den bisherigen Konzepten nicht länger folgen wollten.

„Wir wollten Pflege anders denken“, sagen sie heute. Der Schritt in die Selbstständigkeit war deshalb eine bewusste Entscheidung – mit einem klaren Ziel: Arbeiten auf Augenhöhe.

Im eigenen Unternehmen selbst bestimmen

Seit Oktober 2024 ist der Pflegedienst Kelex (einen Kombination aus den beiden Vornamen der Geschäftsführer Kevin und Alexander) in Teningen am Start. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreut etwa 200 Menschen in einem Gebiet zwischen Emmendingen und Freiburg. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an ältere und pflegebedürftige Menschen. Auch jüngere Patientinnen und Patienten, die nach einem Unfall oder aufgrund einer Behinderung Unterstützung benötigen, gehören zu ihrem Klientel.

Für Schott und Erhardt ist Pflege weit mehr als reine Versorgung. „Pflege ist ein Handwerk“, sagen sie. Gleichzeitig brauche es moderne Strukturen, wirtschaftliches Denken und vor allem den Blick auf den Menschen, der Hilfe benötigt. Kevin Schott ist zusätzlich ausgebildeter Wundexperte und Alexander Erhardt hat die Weiterbildung zum Qualitätsmanagement-Beauftragten absolviert.

Warum als Pflegekraft arbeiten?

Doch warum entscheiden sich junge Menschen heute überhaupt noch für einen Beruf, der als emotional belastend und vergleichsweise schlecht bezahlt gilt? Die Antwort der beiden Geschäftsführer kommt schnell: Pflege sei eine sinnvolle und erfüllende Tätigkeit mit Zukunft. Entscheidend seien das Miteinander, ein funktionierendes Team und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Genau darauf setzt Kelex. Hier erhalten die Mitarbeitenden die Chance auf Zusatzqualifikationen und Fortbildungen. Der Teamgeist spiele dabei eine zentrale Rolle.

Drei Menschen mit einem Hund vor einem Auto
Alexander Erhardt, Nadine Eckert (mit der Hündin Frida) und Kevin Schott (v. l.) Foto: Regina Keller

Alle Mitarbeitenden schätzen das Konzept

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch im Arbeitsalltag. Viele junge Helferinnen und Helfer haben bei dem Teninger Pflegedienst inzwischen ihre berufliche Heimat gefunden. Die aktive Einbeziehung der Pflegebedürftigen und auch der pflegenden Angehörigen in der täglichen Pflegegestaltung ist für alle Mitarbeitenden selbstverständlich. Dabei beruft sich das Kelex-Team auf das Pflegemodell, nach dem in der Pflegeplanung und -gestaltung auch die individuelle Biografie des Menschen berücksichtigt werden muss, da jeder Mensch seine Lebensaktivitäten auf individuelle Art und Weise ausübt.

Nadine ist als Quereinsteigerin dabei

Bestätigt werden diese Aussagen auch von Mitarbeiterin Nadine Eckert. Die Quereinsteigerin kam vor fünf Jahren aus der Hauswirtschaft in die Pflege. Ursprünglich wollte sie nur einmal „hineinschnuppern“. Heute sagt sie: „Man spürt die Dankbarkeit der Menschen. Man muss lieben, was man tut.“ Für manche Pflegebedürftige sei sie oft der wichtigste Kontakt zur Außenwelt. „Ich nehme mir Zeit – und bekomme dafür unglaublich viel zurück“, erzählt Nadine.

Natürlich, so betont sie, müsse man für diesen Beruf auch der richtige Typ sein. „Man braucht Leidenschaft für das, was man tut. Und ein gutes Umfeld.“ Besonders wichtig sei ihr außerdem die Eigenverantwortung im Beruf. Ihr Rat an alle, die überlegen, in die Pflege zu gehen, ist deshalb einfach: „Schaut es euch einfach mal an.“ Bei Kelex stimmt die Bezahlung, es gibt 32 Tage Urlaub und hier haben Pflegekräfte Arbeitsplätze für Pflegekräfte geschaffen.

Und dann ist da noch Frida – die kleine Hündin, die auch irgendwie zum Team dazu gehört. Ihr gelingt es in Windeseile, einigen Pflegebedürftigen sofort ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Für manche ist die kleine Hündin die einzige Freude des Tages.

Das Grundprinzip bei Kelex bleibt klar formuliert: Arbeiten auf Augenhöhe. Oder, wie es die Geschäftsführer zusammenfassen: „Pflege ist ein ehrlicher Beruf. Und das Schöne – bei uns menschelt’s.“

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