Foto: Canva | Craftsman Concrete Floors von Pexels21.10.2026 ● Thomas Schöllhorn
Arbeiten in der Industrie lohnt sich
Die Industrie und das verarbeitende Gewerbe gelten als Fundament der deutschen Wirtschaft. Zwar stehen einzelne Branchen wie zum Beispiel die Automobilindustrie vor erheblichen Herausforderungen, nach wie vor stellen die rund 200.000 Industrieunternehmen in Deutschland aber rund ein Fünftel aller verfügbaren Arbeitsstellen. Und diese sind bei Arbeitnehmern unverändert beliebt, da sie einige Vorzüge gegenüber Beschäftigungsverhältnissen in anderen Branchen bieten.
Zu diesen Vorzügen gehören ein attraktives Lohn- und Gehaltsniveau ebenso wie geregelte Arbeitszeiten, ein hoher Arbeitsschutz und weitere Zusatzleistungen. Vorteile, die sich nicht nur in großen Unternehmen und Konzernen finden, sondern auch in zahlreichen mittelständischen Betrieben.
Jens Rattke kennt beide Seiten aus eigener Erfahrung. Nach einem Maschinenbaustudium arbeitete er unter anderem 25 Jahre lang bei Opel und leitete dort lange Zeit einen Engineeringbereich. Seit 2024 ist der 58-Jährige als Manager für Engineering und Industrial Engineering bei General Aerospace in Eschbach tätig, einem hochspezialisierten Mittelständler der Flugzeugindustrie mit rund 80 Mitarbeitern.
Das Unternehmen entwickelt und fertigt sogenannte Motion-control-Komponenten für Flugzeuge, also Teile, bei denen es um Bewegungskontrolle geht. Die Produkte von General Aerospace dämpfen zum Beispiel den Öffnungs- und Schließvorgang von Gepäckfächern oder Turbinenklappen und werden sowohl an Flugzeughersteller wie Boeing und Airbus geliefert als auch an Hersteller von Kabinenausstattungen.
„Natürlich unterscheidet sich die Arbeit in einem großen Konzern von der in einem kleineren Unternehmen grundlegend“, sagt Rattke. „In Konzernen ist das Aufgabengebiet meist viel enger gefasst, da es viel mehr Abteilungen und Bereiche gibt. In einem Unternehmen wie dem unseren sind die Aufgabenfelder je nach Position viel breiter angelegt, aber diese Abwechslung macht auch den Reiz aus.“ Neben der technischen Verantwortung für die Produkte und der Führung des Engineering-Teams ist Rattke auch stark in das Projektmanagement eingebunden, kümmert sich um die Strategieentwicklung und die Optimierung operativer Prozesse. Intensiv involviert ist er zudem in das Qualitätsmanagement, außerdem ist die Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und internen Ansprechpartnern ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit.

Neben der Abwechslung, die mit diesem breiten Aufgabenspektrum verbunden ist, schätzt Rattke weitere Vorzüge, die typisch für viele Industrieunternehmen sind. „Die Internationalität ist bei uns ein prägender Bestandteil der Arbeit, natürlich bedingt durch die Luftfahrtbranche, aber auch durch unsere internationalen Kunden wie Boeing oder Airbus. Wir sprechen sehr viel Englisch, haben mit Ansprechpartnern in den unterschiedlichsten Ländern zu tun. Das würde mir in einem anderen Job oder in einer anderen Branche sehr fehlen.“
Auch das Thema Weiterbildung, das nach Rattkes Ansicht in Industrieunternehmen intensiver betrieben wird als anderswo, sieht er als großen Pluspunkt: „Das kommt natürlich immer auf das einzelne Unternehmen oder den jeweiligen Job an, aber in der Regel sind die Weiterbildungsangebote doch sehr gut. Wir forcieren das zum Beispiel sehr stark, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch bei anderen Qualifikationen wie der Kommunikation mit Kunden.“
Unternehmen der Industrie sind für Rattke nach wie vor attraktive Arbeitgeber, auch wenn es in manchen Bereichen derzeit nicht mehr so rund laufe wie vor einigen Jahren noch: „Natürlich gibt es Branchen wie die Automobilindustrie, in denen weniger gute Entscheidungen getroffen wurden. Und natürlich waren die Rahmenbedingungen auch schon mal besser als derzeit, Stichwort Energiekosten. Trotzdem ist mir der Blick auf die Industrie etwas zu pessimistisch. Wir haben immer noch sehr viele innovative und wachsende Unternehmen, die für Arbeitnehmer ein attraktives Ziel sind.“
Ein Berufseinstieg oder ein Wechsel in die Industrie ist für Rattke eine zukunftsfähige Entscheidung, gerade für Menschen mit einer gewissen Affinität zu Technik: „Wer ein technisches Hobby hat, der bringt schon sehr viel mit, um in der Industrie beruflich erfolgreich zu sein. Vielleicht sollten die Menschen mehr ihren Leidenschaften folgen und weniger darauf schauen, in welcher Branche es gerade gut läuft. Wenn ich tue, was ich liebe, dann bin ganz automatisch gut darin und habe Erfolg.“








