Foto: BZ.medien23.01.2026 ● Silke von Freyberg
Ungefiltertes und ehrliches Feedback von Pferden
Susanne Knitter hat langjährige Erfahrungen als Business Coach gesammelt und sich 2007 einen Traum erfüllt: Sie bietet auf dem eigenen Hof Führungskräfte-Trainings mit Pferden an.
Frau Knitter, wie sind Sie zu dem Thema „Führen mit Pferden“ gekommen?
Knitter: Meine Arbeit als Trainerin und Coach bewegt sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Führung, Persönlichkeitsentwicklung und Praxis. Parallel dazu arbeite ich intensiv mit Pferden auf unserem Hof in den Vogesen. Irgendwann wurde mir sehr deutlich, dass Pferde genau das spiegeln, was in Führung entscheidend ist: innere Klarheit, Präsenz, Authentizität und Konsequenz. Während klassische Coachings oft über Sprache laufen, zeigen Pferde Verhalten unmittelbar und unverfälscht. Pferde sind die ehrlichsten Co-Coaches.
Die Themen, an denen Führungskräfte oft lange „arbeiten“, zeigen sich bei Pferden in Sekunden. Aus dieser Beobachtung heraus habe ich nach einer zusätzlichen Ausbildung als pferdegestützter Coach, das Training entwickelt – als praxisnahe Ergänzung zu klassischen Führungskräfteformaten.
Was ist das Besondere an dieser Art Führungskräfte-Training?
Das Besondere ist die unmittelbare Wirkung. Pferde reagieren nicht auf Titel, Positionen oder Konzepte, sondern ausschließlich auf das innere Erleben und das tatsächliche Verhalten ihres Gegenübers. Sie fragen: Wer bist du gerade? Es geht darum, den authentischen Kern jedes einzelnen zu stärken. Führung wird hierbei nicht theoretisch verstanden, sondern körperlich und emotional erlebt. Erkenntnisse entstehen im Moment – ehrlich, klar und nachhaltig.
Das beschleunigt Lernprozesse erheblich und macht Führung konkret erlebbar. Diese Erfahrung geht unter die Haut und bleibt lange spürbar.
Aus welchen Bereichen kommen die Führungskräfte, die mit Ihren Pferden trainieren?
Die Teilnehmenden kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Wirtschaft, Industrie, Handwerk, soziale Einrichtungen oder der Verwaltung.
Es sind alles Menschen mit Verantwortung – für Teams, für Unternehmen, für andere. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen, doch sie verbindet etwas: der Wunsch, bewusster zu führen. Viele stehen an Wendepunkten, erleben Veränderungsdruck oder spüren, dass ihre bisherige Art zu führen nicht mehr trägt.
Müssen die Kunden reiten können?
Nein, überhaupt nicht. Das Training findet ausschließlich vom Boden aus statt. Es geht nicht um Reiten oder Pferdekenntnisse, sondern um Führung, Kommunikation und innere Haltung. Viele Teilnehmende hatten vor dem Training noch nie Kontakt zu Pferden – das ist kein Nachteil, oft sogar ein Vorteil. Die Pferde holen jeden genau dort ab, wo er gerade steht.
Was können Pferde vermitteln, was ein Coach nicht kann?
Pferde geben ein unmittelbares, wertfreies Feedback. Sie analysieren nicht, interpretieren und bewerten nicht und passen sich nicht aus Höflichkeit an. Sie sind Meister der Körpersprache und reagieren ausschließlich auf Führung – oder eben auf fehlende Führung. Diese Rückmeldung ist nicht interpretierbar oder diskutierbar, sondern eindeutig. Für viele Führungskräfte ist genau diese Klarheit der entscheidende Hebel für nachhaltige Entwicklung, den Worte allein kaum schaffen.
"Pferde sind die ehrlichsten Co-Coaches."
Susanne Knitter, Knitter Seminare und Coaching

In welchen Situationen kann das Training helfen?
Das Training ist besonders hilfreich bei Themen wie Führungssicherheit, Entscheidungsfindung, Umgang mit Widerstand, Kommunikation in Veränderungsprozessen, Selbstführung sowie beim Aufbau von Vertrauen und Autorität. Auch bei inneren Konflikten oder Unsicherheiten zeigt sich sehr schnell, wo die eigentliche Ursache liegt. Es macht sichtbar, wie Führung tatsächlich wirkt – und wo sie an Klarheit oder Konsequenz verliert.
Können Sie uns eine klassische Situation aus dem Training schildern?
Eine typische Situation ist, dass eine Führungskraft ein Pferd durch einen Parcours führen soll. Häufig zeigt sich dabei, dass das Pferd stehen bleibt, ausweicht oder die Führung selbst übernimmt. In der Reflexion wird deutlich, dass die Person zwar eine klare Vorstellung im Kopf hatte, diese innerlich aber nicht wirklich gefestigt ist.
Sobald Haltung, Klarheit und innere Entscheidung zusammenpassen, folgt das Pferd – oft ohne zusätzliche Hilfsmittel. Dieser Moment – wenn Führung plötzlich leicht wird – ist für viele tief bewegend.
Ohne menschliche Aufbereitung der Themen geht es aber nicht, oder?
Nein, natürlich nicht. Die Erfahrung mit dem Pferd ist der Impuls, die gemeinsame professionelle Reflexion der Transfer. Erst durch die strukturierte Auswertung werden Zusammenhänge zu Führung, Kommunikation und Organisation sichtbar. Meine Aufgabe als Coach ist es, das Erlebte einzuordnen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und den Transfer in den Führungsalltag sicherzustellen. Dieser Schritt ist entscheidend für nachhaltigen Nutzen.
Was nehmen die Führungskräfte vom Training mit den Pferden mit?
Sie nehmen vor allem ein neues Bewusstsein für ihre eigene Wirkung mit. Viele berichten von mehr innerer Klarheit, größerer Gelassenheit und einer deutlich authentischeren Führung. Auch anstehende Entscheidungen können mit großer innerer Sicherheit getroffen werden. Die Erfahrung mit dem Pferd bleibt als innere Erfahrung – und genau das macht sie auch im Alltag abrufbar. Die Erfahrung mit dem Pferd wirkt langfristig, weil sie nicht nur verstanden, sondern erlebt wurde.










